Fairer Handel: Kaufen für das gute Gewissen?
Importierte Produkte gehören zum deutschen Alltag. Auf Kaffee aus Bolivien, Kakao von der Elfenbeinküste und günstige T-Shirts aus Süd-Ost-Asien möchte heute kaum jemand verzichten. Die Frage, ob bei der Produktion alles mit rechten Dingen zugeht, steht allerdings immer im Raum. Denn wer will mit seinem Einkauf allen Ernstes Kinderarbeit und Hungerlöhne unterstützen? Fairer Handel – Zertifikate sollen hier für mehr Transparenz sorgen, doch halten sie, was die Organisationen dahinter versprechen?
Milliardengewinne auf der einen Seite und unmenschliche Arbeits- und Lebensbedingungen der Produzenten auf der anderen – mit solchen Schlagzeilen sind bekannte Lebensmittelkonzerne in Verruf geraten. Markenschuhe, die zu Hungerlöhnen hergestellt werden, stoßen bei den Verbrauchern ebenso wenig auf Gegenliebe wie von Kindern gewebte Teppiche. Die sind jedoch selten über die tatsächlichen Produktionsbedingungen informiert und wissen nicht, welche Ware mit gutem Gewissen gekauft werden kann. Mit Zertifikate von Menschenrechtsorganisationen wie Transfair soll den Kunden eine Orientierungsmöglichkeit gegeben werden.
Hinter den Siegeln steckt die Idee “Fairer Handel”. Im Klartext steht das für faire Löhne, nachhaltige Produktion, menschenwürdige Arbeitsbedingungen, das Verbot von Kinderarbeit und eine gleichberechtigte Stellung von Frauen. Nur wenn diese Bedingungen bei der Produktion eingehalten werden, darf das Fair Trade-Label auf die Verpackung gedruckt werden. Dass die Forderungen der Organisationen durchaus berechtigt sind, zeigt beispielsweise der geringe Lohnanteil beim Preis des in hiesigen Regalen angebotenen Kaffees. Gerade einmal fünf Prozent gehen an die Arbeiter auf den Plantagen. Der Löwenanteil hingegen fließt in die Taschen der Plantagenbesitzer und der Zwischenhändler.
Fairer Handel kommt gut an, wie steigende Verkaufszahlen belegen. Und das nicht umsonst. Mehrere Studien konnten positive Auswirkungen auf die Einkommenssituation, die Gesundheit und die Bildungschancen der Produzenten und ihrer Familien belegen. Doch auch hier bleibt berechtigte Kritik nicht aus. Da die einzelnen Organisationen bei der Vergabe ihrer Zertifikate teilweise sehr unterschiedliche Maßstäbe anlegen, ist nicht immer klar, wie streng sich die Hersteller an die Fairer Handel – Grundsätze halten müssen. Auch sind Fälle bekannt geworden, in denen Firmen das Siegel als Vorwand für unberechtigte Preissteigerungen missbrauchten und sich so am guten Willen der Kunden bereicherten. Trotz dieser Makel kann man als Kunde mit gutem Gewissen zu Fair Trade-Produkten greifen, denn selbst wenn die Hürden für den Erhalt des Siegels manchmal geringer sind, als es wünschenswert wäre, sind geringe besser als keine Anforderungen.